Die Farben natürlicher Fancy Diamonds

Die Farbvielfalt „Natürlicher Fancy Diamanten“ erstreckt sich über das gesamte Farbspektrum. Je nach Intensität und Helligkeit der Farben können auch Braun- oder Grautöne erscheinen.

Diese Farben entstehen während des natürlichen Entstehungsprozesses durch Gitterdefekte, die unter anderem durch radioaktive Strahlung oder Fremdatome wie Stickstoff und Bor im Kohlenstoffgitter des Diamanten verursacht werden. Was die Natur in Jahrmillionen formt – natürliche Diamanten sind zwischen einigen hundert Millionen und bis zu vier Milliarden Jahre alt – kann mittlerweile im Labor simuliert und in nahezu jeder Farbe produziert werden.

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Dies wirft natürlich die Frage auf: Werden synthetische Diamanten – also im Labor gezüchtete – die natürlichen Farbdiamanten als exklusives High-End-Luxusprodukt ablösen? Ein Blick auf die Marktentwicklung in anderen Branchen lässt uns diese Frage mit Sicherheit verneinen.

Trotz der Quarzuhrenkrise in den 1970er und 1980er Jahren (technisch viel präziser und wesentlich günstiger als mechanische Uhren, oft in ähnlich hochwertigen Gehäusen) gibt es für viele mechanische Luxusuhren auch heute noch Wartelisten, selbst bei Preisen, die von mehreren Tausend bis zu mehreren Hunderttausend Euro reichen.

Ein weiteres Beispiel ist die Schallplatte. Obwohl digitale Medien wie CD, WAV, FLAC oder MP3 in Bezug auf Dynamik, Frequenz und Stereoinformation technisch überlegen sind, erlebt die Schallplatte unter Musikliebhabern mehr als nur ein starkes Revival. Dabei ist nicht nur sie teurer als digitale Tonträger, sondern auch die dazugehörigen Peripheriegeräte, wie etwa Plattenspieler, können weit über 100.000 Euro kosten.

Man könnte dies als Traditionalismus der Ewiggestrigen abtun, doch wir glauben, dass hier die Emotionen im Vordergrund stehen, die nur bestimmte Güter vermitteln können. Zwar werden deutlich mehr Quarzuhren und digitale Musikmedien verkauft, doch für eine gewisse individuelle Käuferschicht zählen Authentizität und Einzigartigkeit mehr als die absolute synthetische Perfektion. Genau für diese Käufergruppe, die zwar nur einen kleinen Prozentsatz der Konsumenten ausmacht, aber von der natürlichen Einzigartigkeit fasziniert ist, existiert dieser Markt. Diese Einzigartigkeit, gepaart mit der natürlichen Schönheit von Fancy Color Diamonds, treibt die Preise in die Höhe und macht diese Steine zu begehrten Sammler- und Wertanlageobjekten, deren Preise manchmal in schwindelerregende Höhen steigen.

Mit synthetischen Fancy Diamonds wird es in Zukunft möglich sein, diese wunderschönen Edelsteine einem viel größeren Kundenkreis zugänglich zu machen. Dies wird die Begehrlichkeit nach echten, natürlichen Fancy Diamonds eher noch verstärken, sie jedoch niemals ersetzen.

Der erste synthetische Diamant in Schmuckqualität wurde 1970 im Labor gezüchtet. Etwa zu dieser Zeit begannen Forscher auch, Methoden zu entwickeln, um Diamanten von minderwertiger Farbe zu behandeln und so hochwertigere Farben und Farbintensitäten zu erzielen. Diese Verfahren existieren und werden seit über 40 Jahren angewendet, allerdings haben solche behandelten Diamanten nur einen Bruchteil des Wertes eines Steins mit der gleichen natürlichen Farbe und müssen daher auch explizit als solche gekennzeichnet werden. Diese Diamanten werden von Kunden gekauft, die Liebhaber einer bestimmten Farbe sind, sich aber einen natürlich gefärbten Diamanten in dieser Farbe nicht leisten können. Sie haben jedoch zu keinem Zeitpunkt ihr natürliches Pendant verdrängt. Obwohl es bereits damals möglich war, sämtliche Farben künstlich zu erzeugen, akzeptierte der Markt nur „echte“ Fancy Diamonds als exklusives Produkt und ähnlich reagiert der Markt jetzt auf vollsynthetische Fancys.

Bei weißen, oder besser gesagt farblosen, Diamanten könnte dies etwas anders sein, da sie in der Natur bei weitem nicht so selten sind (Verhältnis 10.000 zu 1) wie Fancy Diamonds. Auch wenn einige Händler mittlerweile Labordiamanten aufgrund der höheren Marge immer mehr Kunden empfehlen, könnte sich der aktuelle Trend von Labordiamanten langfristig eher in Richtung Modeschmuck entwickeln. Da die Preise für Labordiamanten aufgrund neuer, kostengünstigerer Technologien* kontinuierlich fallen – allein in den letzten zwei Jahren um über 90 Prozent* – sind sie auf dem Zweitmarkt nahezu unverkäuflich. Aus diesem Grund können synthetische Diamanten als Wertanlage keineswegs in Betracht kommen. Diamanten wurden und werden generationsübergreifend, neben ihrer Nutzung als Schmuck oder Statussymbol, auch als Wertanlage verwendet.

Die Tatsache, dass sie vor Millionen Jahren aus der Tiefe nur durch Vulkanausbrüche an die Erdoberfläche gelangten, macht ihre Einschlüsse zu Zeugen der Geschichte unseres Heimatplaneten. Ein solcher Stein, hunderte von Millionen Jahre alt und den Widrigkeiten der Natur trotzend, ist gewissermaßen für die Ewigkeit geschaffen und vermittelt für viele Menschen eine tiefere emotionale Bindung als ein im Labor gezüchteter oder behandelter Stein.

Bereits Mitte der 2000er Jahre wurden 40-mal so viele synthetische Diamanten produziert wie natürliche Diamanten gefördert, da letztere den Industriebedarf bei weitem nicht decken können. Die Zukunft synthetischer Diamanten wird daher überwiegend in der Verwendung als Mainstream-Modeschmuck und in der Industrie liegen.

*Proactivinvestment – natural diamond recovery 2024